Gruß


Gruß

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Gruß [gru:s], der; -es, Grüße ['gry:sə]:
freundliche Worte oder Geste der Verbundenheit bei der Begegnung, beim Abschied, im Brief:
einen Gruß ausrichten; sie reichte ihm zum Gruß die Hand; mit besten, freundlichen, herzlichen Grüßen … (als Briefschluss).
Syn.: Empfehlung (geh.).
Zus.: Abschiedsgruß, Geburtstagsgruß, Neujahrsgruß, Ostergruß, Urlaubsgruß, Weihnachtsgruß, Willkommensgruß.

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Gruß 〈m. 1u
1. Worte od. Gebärden bei Begegnungen od. Abschied
2. Wort od. Zeichen des Gedenkens
3. Formel am Schluss von Briefen
● noch einen \Gruß anfügen, dazuschreiben, hinzufügen; jmdm. einen \Gruß an jmdn. auftragen; einen \Gruß ausrichten, bestellen, sagen, schicken, schreiben, übermitteln; der Bundespräsident ließ zum Kongress einen \Gruß entbieten; jmdm. einen \Gruß zurufen, zuwinken ● ein ehrerbietiger, förmlicher, höflicher, militärischer, stummer \Gruß; freundliche, herzliche, verbindliche, viele Grüße ... (Briefschluss); einen süßen \Gruß senden eine Süßigkeit ● einen \Gruß an Ihre Frau!; einen \Gruß an jmdn. schreiben; ein \Gruß aus Paris, aus dem Urlaub; einen \Gruß für unsere Freunde; mit besten Grüßen (Briefschluss); einen \Gruß nach Düsseldorf schicken; \Gruß und Kuss! (Briefschluss); einen \Gruß unter einen Brief schreiben; ich soll dir Grüße von XY bestellen; einen \Gruß von der Nordsee schicken; jmdn. die Hand zum \Gruß bieten, entgegenstrecken, hinhalten, reichen; den Hut zum \Gruß ziehen [→ grüßen]

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Gruß , der; -es, Grüße [mhd. gruoʒ, rückgeb. aus grüßen]:
1. Worte (häufig als formelhafte Wortverbindung), Gebärden als Höflichkeits- od. Ehrerbietungsbezeigung zwischen Personen beim Zusammentreffen, Sichbegegnen, bei einer Verabschiedung:
ein freundlicher, höflicher, förmlicher, ehrerbietiger, kurzer, stummer G.;
mit militärischem G. (Anlegen der Hand an die Kopfbedeckung);
ihr G. war sehr kühl;
Grüße wechseln;
einen G. entbieten;
auf jmds. G. nicht danken;
jmds. G. erwidern;
ohne G. weggehen;
er reichte ihr die Hand zum G. (zur Begrüßung);
Englischer G. (katholisches Mariengebet, Ave-Maria; zu 2englisch).
2. etw., was als Zeichen der Verbundenheit, des Gedenkens o. Ä. jmdm. übermittelt wird:
jmdm. herzliche, freundliche, beste, liebe Grüße senden;
jmdm. Grüße ausrichten, bestellen, schicken, überbringen, übermitteln;
einen G. an jmdn. mitgeben, unter einen Brief setzen, anfügen;
sagen Sie ihr herzliche Grüße von mir;
[einen] schönen G. von deiner Mutter (fam.; deine Mutter lässt dir ausrichten), du sollst nach Hause kommen;
(in Grußformeln am Briefschluss) viele, herzliche, liebe Grüße euer Markus;
freundliche Grüße Ihre Anja;
als letzter/letzten G. (auf Kranzschleifen gedruckt);
mit freundlichem G. [verbleibe ich] Ihr Albert Klein;
R [schönen] G. vom Getriebe [der Gang ist drin] (scherzh.; Äußerung, mit der jmd. die beim Autofahren durch schlechtes Schalten verursachten Geräusche kommentiert);
G. und Kuss, dein Julius! (scherzh.; Floskel, mit der jmd. jmds. Äußerung, Forderung, Behauptung o. Ä. begleitet od. beendet).

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I
Gruß,
 
Handlungen und Wortformeln zur Regelung des sozialen Kontaktes in bestimmten Abständen, besonders bei Begegnung und Abschied. Nach psychologischer Deutung sind Gruß und Gegengruß oft nur zeremonielle Maßnahmen zur Verhütung gegenseitiger Aggression. Dem entspricht, dass die Verweigerung des Grußes oder Gegengrußes (»Schneiden«) als relativ starke negative Sanktion (Beleidigung) aufgefasst wird. Die Formen der Begrüßung sind als vielfältige Handlungsmuster von der sozialen Stellung der Grüßenden zueinander abhängig; sie werden aber auch vom Rahmen ihrer Begegnung innerhalb der Gemeinschaft, zu der sie gehören, und von überlieferten Regeln bestimmt. Mit zunehmender Bevölkerungsdichte haben sich die Grußsitten gewandelt. Während man heute noch auf dem Lande den Gruß als verbindliches »Gesetz« auch unter Fremden empfindet, ist er in den Großstädten nur noch dort üblich, wo man zueinander in unmittelbaren Kontakt tritt.
 
Typische Grußformeln sind das Bieten der Tageszeit (»Guten Morgen«), die Frage nach dem Wohlergehen (»Wie gehts?«) und das Ausbringen von Wünschen (»Komm gut heim!«). Die Fülle der Abstufungen des Grußes steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Art des jeweiligen Kontaktes: Größere Distanz der Partner führt zur Verwendung zeremonieller Formeln, geringere zur Benutzung von Kurzformeln (»Tag«, »Tschüs«, »Adieu«).
 
Mitunter ist der Gruß auch strengen Regeln unterworfen, besonders bei Staatsbesuchen und innerhalb der Armeen (Reglement des militärischen Grußes; z. B. Anlegung der rechten Hand an die Kopfbedeckung).
II
Gruß
 
[althochdeutsch gruoz, zu gruozen »anreden«; »(eine Antwort) herausfordern«], Worte und Gebärden bei Begegnung, Ankunft und Abschied.
 
Das Wort Gruß wird von westgermanisch grōtjan »zum Reden bringen« hergeleitet. Es steht in Verbindung mit der altdeutschen Sitte, nach der es dem Ankömmling erst nach der Anrede durch den Hausherrn erlaubt war zu sprechen. In der althochdeutschen Bedeutung spiegelt sich noch die germanische Kriegersitte, über Speerwurfdistanz Namen, Herkunft und Absicht des Fremden zu erfragen. Erst mit dem mittelhochdeutschen grüezen gewinnt der Gruß langsam die heutige Bedeutung des freundlichen Ansprechens.
 
 
Der Gruß hat sowohl verbindende wie ausgliedernde Funktionen, je nachdem, ob er den Gemeinschaftsgliedern ein bestimmtes Situationsverhalten auferlegt oder deren Sozialdifferenzen noch zusätzlich hervorhebt. - Aus Reflexbewegungen in gewissen Lebenslagen ist allmählich die durch gewohnheitsmäßige Übung charakterisierte Grußgebärde geworden; die Grußformeln entstammen hingegen jüngeren Kulturschichten und enthalten vielfach volkstümliche Losungen.
 
Die ursprünglichen Grußgebärden drückten Friedfertigkeit, Unterwerfung unter den Begrüßten oder Verehrung des Göttlichen aus; bei Naturvölkern sind sie meist bedingt durch Zaubermotive. Durch Herausstrecken der Zunge (Maori, Tibeter), Aneinanderreiben der Nasen (Eskimo, Polynesier), Entblößen und Emporrecken des Gesäßes (Sudan) bei der Begrüßung soll(te) böser Zauber abgewehrt werden, der von dem Fremden kommt. Der Orient kennt Grußgebärden wie die Proskynese und die Verbeugung mit gekreuzten Armen, zusammengelegten Handflächen u. a. Die alten Ägypter begrüßten sich mit tiefer Verneigung, indem sie die Hände bis zu den Knien senkten, die Griechen kannten nur wenige Grußzeichen, die Römer grüßten lediglich Vertraute mit Händedruck und Umarmung. In germanische Zeit gehörten zum Gruß das Ablegen der Waffen und das Anbieten von Geschenken. Die Grußgebärden des Abendlandes (Aufstehen, Verneigen, Handschlag, Knicks, Umarmung, Kuss) stammen aus der mittelalterlichen Kultur; rechtliche Bedeutung gewinnt der (Königs-)Gruß durch Erheben beider Hände und ein gleichzeitiges Gelöbnis vor dem gekrönten Herrscher, ähnlich wie der vor allen Hoheitszeichen verlangte Achtungsgruß. Das Hutabnehmen zum Gruß (ab 15. Jahrhundert) hat seinen Ursprung im mittelalterlichen Hauptentblößen als ritterliches Zeichen der Unterwerfung sowie der Demut gegenüber höher Stehenden und adligen Frauen; allgemein üblich wurde es jedoch erst ab dem 17. Jahrhundert.
 
Alte Grußformeln sind: arabisch: »Es-selam aleikum« (Friede sei mit euch), »Wa aleikum es-selam« (Und auf euch sei Friede); althebräisch: »Schalom lekha« (Friede sei mit dir); altgriechisch: »Chaire« (Freue dich); römisch: beim Begegnen: »Ave« (Sei willkommen), beim Gehen: »Vale« (Bleibe gesund), beim Begegnen und Abschied: »Salve« (Befinde dich wohl); christlich: »Pax vobiscum« (Friede sei mit euch); der katholische Gruß: »Gelobt sei Jesus Christus! In Ewigkeit, Amen!« wurde von Papst Benedikt XIII. 1728 empfohlen. Seit dem 13. Jahrhundert hat die Kirche die Einflechtung des Gottesnamens in die Grußformeln bewusst angestrebt; an die Stelle des germanischen Friedensgrußes »Sei heil« traten grußähnliche Gebetswünsche: »Gott gebe dir Heil«, »Gott willkommen«. »Gott grüße dich« hat sich in dem österreichischen und süddeutschen »Grüß Gott« und dem schweizerischen »Grüetzi« erhalten; aus »Gott gebe dir einen guten Tag« u. Ä. ist »Guten Tag« geworden. Im 17. Jahrhundert wurde in Deutschland der französische Abschiedsgruß »À dieu« (Gott befohlen) üblich; im niederdeutschen »Adjüs«, schwäbisch »Atje«, berlinerisch »Tjö« sowie in »Tschüss« hat er sich als Restform erhalten; weitere deutsche Abschiedsgrüße sind »Lebe wohl«, »Auf Wiedersehen«; in Österreich außerdem noch »Servus« und vielfach »Küss die Hand« (bei Damen) und »Habe die Ehre« (bei Herren); englisch: »Hello«, beim Abschied: »Good bye«; französisch: »Bonjour«, »Bonsoir«, »Bonne nuit«; »Au revoir«; entsprechend italienisch: »Buon giorno«, »Buona sera«, »Buona notte«; »Arrivederci«.
 
Der miltitärische Gruß wird durch Anlegen der rechten Hand an die Kopfbedeckung erwiesen. Grußpflicht besteht in der Bundeswehr z. B. gegenüber dem Bundespräsident, dem Bundeskanzler, dem Verteidigungsminister, gegenüber Generalen und Admiralen der NATO-Staaten und gegenüber den unmittelbaren Vorgesetzten, ferner beim Hissen der Bundesflagge sowie beim Vortragen von Nationalhymnen. Geschlossene Abteilungen grüßen im Gleichschritt durch Blickwendung, Offiziere und als Zugführer eingeteilte Unteroffiziere außerdem durch Handanlegen an die Kopfbedeckung.
 
Im Zuge der Ideologisierung des öffentlichen Lebens besonders in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts wurden zum Teil politisch motivierte Grußformen verbindlich, so z. B. im nationalsozialistischen Deutschland (1933-45) der in der Regel mit dem Erheben des rechten Armes und der Grußformel »Heil Hitler« verbundene »Hitler-Gruß«.

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Gruß, der; -es, Grüße [mhd. gruoʒ, rückgeb. aus ↑grüßen]: 1. Worte (häufig als formelhafte Wortverbindung), Gebärden als Höflichkeits- od. Ehrerbietungsbezeigung zwischen Personen beim Zusammentreffen, Sichbegegnen, bei einer Verabschiedung: ein freundlicher, höflicher, förmlicher, ehrerbietiger, kurzer, stummer G.; mit militärischem G. (Anlegen der Hand an die Kopfbedeckung); ihr G. war sehr kühl; Grüße wechseln; einen G. entbieten; jmds. G. erwidern; auf jmds. G. nicht danken; dass er ... mit mechanisch gemurmeltem G. sein Käppchen lüftete (Langgässer, Siegel 493); ohne G. weggehen; er reichte ihm die Hand zum G. (zur Begrüßung); ich ... zucke sechs Meter vor ihm zu einem zackigen G. zusammen, den ich erst wegnehme, als ich sechs Meter hinter ihm bin (Remarque, Westen 118); *der deutsche G. (nationalsoz.; das Grüßen mit Erheben des rechten Arms [u. den Worten „Heil Hitler!“]): zäh, aber emsig kletterten rechte Arme in die vorschriftsmäßige Höhe des deutschen -es (Grass, Hundejahre 251); auch als Grußformel am Briefschluss: mit deutschem G. ...; der Englische G. (katholisches Mariengebet, Ave-Maria; zu 2englisch). 2. etw., was als Zeichen der Verbundenheit, des Gedenkens o. Ä. jmdm. übermittelt wird: jmdm. herzliche, freundliche, beste, liebe Grüße senden; jmdm. Grüße ausrichten, bestellen, überbringen, übermitteln, schicken; einen G. an jmdn. mitgeben, unter einen Brief setzen, anfügen; Unter bunten Sonnenschirmen schreibt er seine Grüße aus Madrid (Koeppen, Rußland 48); sagen Sie ihm herzliche Grüße von mir; [einen] schönen G. von deiner Mutter (fam.; deine Mutter lässt dir ausrichten), du sollst sofort nach Hause kommen; in Grußformeln am Briefschluss: viele, herzliche, liebe Grüße euer ...; freundliche Grüße Ihr ...; als letzter/letzten G. (auf Kranzschleifen gedruckt); mit freundlichem G. [verbleibe ich] Ihr ...; als Grußformel am Briefschluss in der DDR: Ich hoffe sehr, dass meinem Antrag stattgegeben wird, und verbleibe mit sozialistischem G., ... (Becker, Tage 77); R [schönen] G. vom Getriebe, der Gang ist drin (scherzh.; Äußerung, mit der jmd. die beim Autofahren durch schlechtes Schalten verursachten Geräusche kommentiert); G. und Kuss, dein Julius! (scherzh.; Floskel, mit der man jmds. Äußerung, Forderung, Behauptung o. Ä. begleitet od. beendet); letzte Grüße aus Davos (scherzh.; Äußerung, mit der jmd. das auffällige, lang anhaltende Husten eines andern kommentiert; in Anspielung auf die Lungenheilstätten im Luftkurort Davos in der Schweiz); *ein G. aus der Küche (Amuse-Gueule).

Universal-Lexikon. 2012.

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